Demobericht

Am Samstag, den 30.5. demonstrierten in Rostock meherere hundert Menschen gegen ein geplantes Neonazikonzert, bei dem die Band Kategorie C auftreten sollte. Stattfinden sollte das Konzert in unmittelbarer Nähe der Hansestadt, es wurde jedoch durch die Polizei verboten.

demo


We are your friends!

Gegen 11 Uhr sammelten sich bei sonnigem Wetter die ersten Demoteilnehmer_innen auf dem südlichen Vorplatz des Rostocker Hauptbahnhofes, auf dem die Demonstration unter dem Motto „Mach den Scheiß aus! Kategorie C das Mikro klauen!“ ihren Anfang nahm. Bevor die ca. 400 Demoteilnehmer_innen sich in Bewegung setzten, wurde ein Redebeitrag der Antifaschistischen Jugendinitiative über die regionalen Neonazistrukturen, die maßgeblich zur Organisation des Konzertes beitrugen, verlesen. Ohne große Komplikationen und weitgehend ungestört durch die anwesende Polizei konnte sich der Demozug dann in Bewegung setzen. Die mit zahlreichen Fahnen, Hochtransparenten, Pappschildern und Transpis ausgestatteten Menschen zogen unter lauten Parolen zunächst vom Hauptbahnhof zum Schröderplatz.
Die anwesende Polizei verhielt sich ruhig, was positive Auswirkung auf die Stimmung hatte und zum friedlichen Charakter der Demo, der von den Veranstalter_innen explizit gewollt war, beitrug. Vom Schröderplatz konnte der Aufzug dann auf direktem Wege in die volle Einkaufsstraße der Stadt ziehen, bei deren Erreichen die Demo noch einmal an Energie gewann. Durch permanente Ansagen durch den Lautsprecherwagen über das Anliegen des Aufzuges konnten umstehende Passant_innen erreicht werden. Ein paar Menschen schlossen sich hier noch der Demonstration an, die sich nun auf den Universitätsplatz zu bewegte. Hier wurde eine erste Zwischenkundgebung abgehalten, welche über die Reaktionen auf die Kampagne „Mach den Scheiss aus!“ informierte und anhand derer der neonazistische Charakter der angeblich unpolitischen Musikveranstaltung, die am Abend stattfinden sollte, einmal mehr deutlich wurde. Nach kurzem Ausharren am Uniplatz setzte sich der Zug in Richtung Neuer Markt in Bewegung, auf dem eine zweite Zwischenkundgebung stattfand. Zunächst wurde auf die anstehenden Kommunalwahlen hingewiesen, bei der sich in Rostock auch die NPD anschickt in das Stadtparlament einzuziehen. Anschließend wurde ein Redebeitrag über das Intervenieren im sogenannten Vorpolitischen Raum verlesen. Nach der Verlesung des Beitrages wurde die Veranstaltung aufgelöst.
Der Ermittlungsausschuss hatte nach bisherigen Erkenntnissen einen ruhigen Tag und es mußten keine Fest- oder Gewahrsamnahmen beklagt werden. Die Demonstration behielt den von den Veranstalter_innen gewünschten friedlichen Charakter und konnte unter anderem durch zahlreiche verteilte Flyer auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Es kam weder durch Neonazis noch durch die Polizei zu Provokationen.

Ihr könnt nach Hause fahrn!

Weniger entspannt hingegen lief der Tag für die 450 Besucher_innen des Neonazikonzertes ab. Aufgrund des durch die Kampagne „Mach den Scheiss aus!“ erzeugten Drucks musste das KC-Konzert kurzfristig nach Lambrechtshagen verlegt werden, wo es anschließend von der Polizei verboten wurde. Schon während der Anreise mussten sich die Kategorie C-Fans und Neonazis Vorkontrollen unterziehen, bei denen unter anderem Waffen und Neonazidevotionalien gefunden wurden. Die Polizei zeigte mit 400 Beamt_innen, zwei Wasserwerfern und einem Räumpanzer massive Präsenz, sodass die Konzertbesucher_innen letztlich unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren mussten. Einige der KC-Anhänger jedoch sträubten sich gegen diese Maßnahme, infolge dessen wurden 4 Personen verhaftet und 30 Personen in Gewahrsam genommen, die gegen Mitternacht die Gesa jedoch wieder verlassen durften.
Zu Übergriffen ist es zumindest im Innenstadtbereich jedoch nicht gekommen, zu groß war wohl die Enttäuschung der angetrunkenen Neonazis. Und auch das Organisatorenteam der Veranstaltung, welches aus bekannten Neonazikadern bestand, dürfte angesichts des finanziellen Totalausfalles ordentlich zur Flasche gegriffen haben, jedoch gibt es von ihnen bisher keine öffentliche Stellungnahme zu dem Konzertverbot. Lediglich die Neonaziband Kategorie C hat in Person Hannes Ostendorfs bereits ein offizielles Statement abgegeben. In einer beinahe kindisch, trotzig anmutenden Videobotschaft jammert Ostendorf über den gemeinen Staat und die böse Polizei und betont einmal mehr die angeblich unpolitische Einstellung der Band Kategorie C, während er mit einem Eric and Sons1-Shirt im Campingstuhl sitzt.
Auch kommt Ostendorfs scheinbarer Hohn über die Kampagne „Mach den Scheiss aus!“ eher einer besonderen Lobpreisung für die Macher_innen eben jener gleich. Weiter kündigt er an das Konzert binnen 4 bis 6 Wochen unbedingt nachholen zu wollen. Sollten sich diese Pläne bewahrheiten, so wird die Kampagne „Mach den Scheiss aus!“ ebenfalls weiterarbeiten und erneut versuchen ihren Beitrag zur Verhinderung des KC-Konzerts zu leisten. Als weitere Konsequenz der Arbeit der Kampagne darf auch die Löschung der MySpace-Seite der Band Kategorie C erwähnt werden. So ist das Musiknetzwerk MySpace für die Neonazi-Band Kategorie C als Plattform zur Selbstdarstellung unnutzbar geworden.

Fazit

Letztendlich bleibt festzustellen, dass die Demonstration erfolgreich vonstatten gehen konnte und angesichts diverser Medienberichte auch nicht unbeachtet blieb. Weiter kann mensch resümieren, dass die Kampagne „Mach den Scheiss aus!“ als solche für einigen Wirbel gesorgt hat und ihren Beitrag zur Verhinderung des KC-Konzertes, wie auch der Löschung der stark frequentierten MySpace-Seite der Band geleistet hat. Abschließend bleibt zu sagen, dass aufgrund der perspektivischen Anlegung der Kampagne zur Verhinderung von weiteren Konzerten dieser Art Antifaschist_innen in und um Rostock auf das angekündigte nächste KC-Konzert bestens vorbereitet sind!

  1. Eric and sons – Modemarke vorwiegend von neonazistischen Jugendlichen getragen, stammt aus dem Thor Steinar-Umfeld [zurück]